“Schule im Nationalsozialismus"

Auszüge aus einer Facharbeit des Jahres 2004
(hauptsächlich unter Bezugnahme auf Trapps Darstellung der Kölner Schulen in der NS-Zeit)

....   Mit dem Beginn des Schuljahres 1933/34 wurde die Verdrängung der Juden aus den höheren Schulen eingeleitet. Die jüdischen Schüler wurden in höchstem Maße beleidigt, erniedrigt und ausgegrenzt. Ihnen wurde meistens ein erfolgreicher Schulabschluss verwehrt. Nach der Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“ 1935 durften die jüdischen Schüler endgültig nicht mehr öffentliche Schulen besuchen.

Am 2. Juli 1942 verbot man sogar den jüdischen Mischlingen „ersten Grades“, eine Schule zu besuchen. Selbst eine Aufnahme von jüdischen Mischlingen „zweiten Grades“ durfte nur erfolgen, wenn eine „Benachteiligung“ der deutschen Schüler und Schülerinnen ausgeschlossen war. So besuchten 1935 im heutigen Rhein-Gymnasium noch 6 jüdische Schüler das Gymnasium. Im Schuljahr 1936/37 waren es noch zwei. Offensichtlich hat man noch bis zum Schuljahresbeginn 1936/37 jüdische Schüler aufgenommen. Im Schuljahr 1937/38 waren keine Juden mehr auf der Schule, außer zwei mischblütigen Juden. Erstaunlicherweise verdoppelte sich diese Zahl aber im darauf folgenden Schuljahr wieder.* ...  Die Schulen entwickelten sich ohne Zweifel für die HJ zum wichtigsten Rekrutierungsfeld. Dies gelang der HJ durch einen massiven Werbefeldzug in den Schulen. Sie lockte die Schüler mit zwei hausaufgabenfreien Nachmittagen an, ohne den Ausfall durch Mehrarbeit an anderen Tagen ausgleichen zu müssen. Zudem wurde den Schülern, die Mitglieder der HJ waren, erlaubt, sich von der Schule fernzuhalten, wenn eine HJ-Veranstaltung anstand.
Im heutigen Rhein-Gymnasium waren im Jahre 1936 mehr als 90 % der Schüler in der HJ. Deshalb durfte die Schule die HJ-Fahne hissen. Diese „Ehre“ wurde nur 30 Kölner Schulen zuteil. Staatliche Gymnasien mit überwiegend katholischer Schülerschaft kamen auf deutlich niedrigere Quoten — so waren beispielsweise nur 44,5 % der Schüler des Apostelgymnasiums Mitglieder der HJ. .... Wer nicht in die HJ eintreten wollte, musste die Streichung der Schulgeldermäßigung in Kauf nehmen, was zur Folge hatte, dass die betroffenen Familien unter Umständen in beträchtliche finanzielle Bedrängnis gerieten. Im schlimmsten Fall wurden die Schüler, die nicht der HJ angehörten, von der Schule suspendiert.  ....
Lehrer im „Dritten Reich“ zu sein, bedeutete, dass man Tag und Nacht kontrolliert wurde. Das Privatleben der Lehrer war erheblich eingeschränkt, da sie für unzählige außerschulische Anlässe, Kundgebungen und Aufmärsche zur Verfügung stehen mussten. Existenzangst, Demütigung und Gewissensnot bei der Erfüllung von Amtspflichten zu ertragen, gehörte für zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen zum Alltag unter nationalsozialistischer Herrschaft. Daher gab es nur wenige, die die neue Erziehungspolitik kritisierten. Einer von ihnen war Dr. Theodor Eylert, der Direktor des Reformgymnasiums Adamsstraße, was nicht ohne Folgen für ihn blieb, da er wegen seiner kritischen Aussagen gezwungen wurde, vorzeitig in Pension zu gehen. Eylert versuchte im Rahmen seiner Möglichkeiten, seine kritische Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus deutlich werden zu lassen, um damit ein Vorbild für die Schüler zu sein. ... Im Lehrerkollegium seiner Schule waren im August 1935 von 17 beamteten Lehrkräften nur 6 NSDAP-Mitglieder. Um diese Zahl zu erhöhen, bediente man sich auch Drohungen und Gewalt.* So wurde ... Eylert, der bis zu ihrer Auflösung Mitglied der Zentrumspartei war, im August 1933  ultimativ aufgefordert, der NSDAP beizutreten, da man sonst rechtliche Schritte gegen ihn erwägen würde. ..
Nach 1933 gab es als einzigen Lehrerverband den „Nationalsozialistischen Lehrerbund“. Jeder, der sich nicht zu ihm bekannte, setzte seine berufliche Existenz aufs Spiel, ganz zu schweigen vom beruflichen Aufstieg. Leiter der Abteilung „Erziehung und Unterricht“ war Dr. Paul Börger, der nach der Entnazifizierung die Leitung des Mülheimer Gymnasiums übernehmen sollte.*
... Die nationalsozialistische Erziehung verlangte von den Schülern „Treue“, „Unterordnung“ und „Dienstbereitschaft“. Daher mussten die Schüler für politische Zwecke Spenden und Beiträge sammeln, Kampflieder üben und unzählige Propagandaausstellungen besuchen. In den Schulen wurde HJ-Werbung betrieben. Luftschutz und Wehrsport mussten trainiert werden. Dadurch sollte den Schülern die Ideologie des Nationalsozialismus vertraut gemacht werden. Zudem war der schulische Kalender geprägt von Feiertagen, die die Gemeinschaft fördern sollten und reichlich Gelegenheit zur Verbreitung der NS-Ideologie boten. Kaum ein Monat verging ohne Feiertage wie etwa den Geburtstag Hitlers und zusätzliche Pflichtveranstaltungen der HJ. Der geregelte Unterricht trat allmählich in den Hintergrund.*
 
Harinder Singh Mattu

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